Ausstellungen

Diether Kunerth - Santorin

Als Student kam ich 1965 zum ersten Mal nach Santorin. Mit zwei Kommilitonen erreichten wir mit dem Schiff von Kreta kommend nachts die Insel.   Es gab damals nur einen Eselpfad, steil den abschüssigen Südhang hinauf nach der Inselhauptstadt Thira. Auf halbem Kletterweg übernachteten wir mit unseren Schlafsäcken in einer Höhle.   Als wir den Sonnenaufgang erlebten, waren wir überwältigt von der gewaltigen Kraterrandsituation.   Uns wurde jetzt erst bewusst, dass wir auf einer gefährlichen und grandiosen Felswand den Schlaf von übermüdeten und jugendlich leichtfertigen Reisenden genossen hatten. Die Eseltreiber, die sich zur nächsten Schiffsankunft aufmachten und an uns vorbeiritten, amüsierten sich köstlich, drei junge Nesthocker aufwecken zu können.   Diese Erlebnisse und die folgenden Reisewochen waren der Beginn einer lebenslangen Liebe zu einem Land, das mir bis heute Inspirationen schenkt und mich auf unser kulturelles Erbe stolz macht. Öfter besuchte ich diese faszinierende Insel, um dort zu malen, zu fotografieren und meine „land-light-paintings“ zu gestalten. Zur letzteren Technik klopfte ich an steilen Inselrändern Eisenstangen in den brüchigen Vulkanerdeboden, spannte durchsichtige Plastikfolien und malte auf diesen meine Geschichten von Ikarus, von Liebespaaren, die sich sonnenverliebt in abgrundgefährlichen Situationen traumwandlerisch den Existenzgrenzen auslieferten. Ich entdeckte immer wieder auf schwarzer oder roter Vulkanerde Motive von atemberaubender Intensität. Ich wurde von lieben Menschen in ihren großartigen, weißen, kubistischen Häusern gastfreundlich als Mieter aufgenommen, erlebte an den Vulkanrändern die aufgehende und untergehende Sonne, die der weißen Häuserarchitektur einen zarten rosa oder blauen Aquarellton verlieh. Übernachtete ich im Gebirge, so genoss ich den Schlafsack, der die nächtliche Kühle milderte, aber den Inselgesang der Winde nicht wegstrich. Jedes Inseldorf hatte einen eigenen Charakter, allen gemeinsam war, dass sich die Bewohner gleichen in ihrer Genügsamkeit und Offenheit den Gästen gegenüber. Genügsam deshalb, weil sie wissen, dass auch sie hier nur Gäste sind, glücklich, dass ihnen die Insel zum einen sehr guten Wein schenkt und sie außerdem eine ungewöhnliche Landschaft haben, die ihnen zwar kaum Nahrung für ihre Tiere, Ziegen, Esel und Hunde liefert, dafür aber ein Lebensgefühl gibt, dass jeder Tag ein neues Geschenk ist. Denn der schwarze, dreieckige Vulkanberg im Süden ist allgegenwärtig sichtbar und erinnert daran, dass Santorin eine Kraterinsel ist und die Gefahr eines neuen Ausbruchs nicht ausgeschlossen werden kann.

In menschengeschichtlicher Zeit fand hier einer der größten Vulkanausbrüche statt und der Ascheregen verdeckte die minoische Kultur auf Kreta für immer. Diese Stätte beschrieb der Philosoph Plato als das untergegangene Atlantis, nämlich das sagenumwobene, mystische Santorin.

Diether Kunerth, im Januar 2017

Wilhelm Holderied "…GLEICHZEITIG ZWISCHENWELTEN..."

Wilhelm Holderied ist 1940 im Allgäu geboren, in Kaufbeuren. Im Jahre 1986 schaut er aus dem Fenster eines Flugzeuges, das sich auf dem Weg zwischen Mexiko City und Puerto Escondido hoch über dem mexikanischen Hochland bewegt, und was sieht er? Eigentümliche Linien, Spuren, Figurengebilde großräumig in die Landschaft gescharrt. Das Bild lässt ihn nicht mehr los. Kaum wieder am Boden, beginnt er seinerseits in den Sand zu zeichnen. Ein Gesicht entsteht da, oder eine Maske, dem späteren Entwurf für den Moosgeist am Flughafen München-Erding schon recht verwandt, ein erster Moosgeist, von dauernderer Natur als diese nur in der Photographie festgehaltene Figur: am eindrucksvollsten natürlich in dem 1995 dann zur riesigen Spirale gewordenen Erdzeichen Eine Insel für die Zeit.
Jetzt zeigt er hier in diesem Museum eine Auswahl aus verschiedenen Lebens- und Werkphasen: Kopfzeichen, Erdzeichen, Rhythmische Zeichen  und Skulpturen, die als Wegzeichen fungieren. Diese Ausstellung kann nicht Holderied in seiner ganzen Vielfältigkeitkeit zeigen, Vielseitigkeit, Vielseeligkeit, wie sie sich in Malerei, Skulptur, Installation, Performance, in der großräumigen land-art wie in der kleinen Zeichnung niederschlägt, aber exemplarisch schon. Arbeiten aus den letzten Jahren haben Titel wie Die Reise im Zwischenraum, Hinterlegte Augen-Blicke, Vertraute Stimmen, Das unsichtbare Feuer oder zum Beispiel Verkreuzte Wolkenfelder oder die Laterne heiratet das Licht der Sterne. Ihnen liegt in tiefer Gemeisamkeit eine Unstillbare Sehnsucht zugrunde, wie ein Bild aus dem Jahre 2014 heißt. All diese sehr poetischen Titel verweisen auf den magischen Charakter dieser Bilder. Sie bilden weniger ab, als sie vielmehr geradezu beschwören: eine Welt hinter oder in der Wirklichkeit, einen Zwischenraum, den wir nicht erkennen können, aber erahnen und erspüren in vielen Darstellungen des Wilhelm Holderied. Einen Zustand, der eher an die Welt des Traums, der Vision, der Trance denken lässt als an die der gedanklichen Vernunft. Für die Reise im Zwischenraum schlägt er vor: „Treffen wir uns dahinter!“

Im Jahre 2016 bringt Holderied seine Ur-Prägung zurück in die Gegend, in der sie entstanden ist, mitten in Mexiko als Sternenschiff und Observatorium, das die Tag- und Nachtgleiche am 20. März und am 23. September anzeigen wird und die Verbindung zwischen El Charco und dem Universum: Ein Haus für das Licht der Sterne – Una Casa para la Luz des las Estrellas.

Und hier im Allgäu können wir Modelle, Bilder und Photos sehen, die mit diesem Projekt in Zusammenhang stehen. Vom Allgäu nach Mexiko, wieder nach Hause und nach Mexiko zurückgebracht – um es auch zu Hause und jetzt hier im Allgäu wieder zu zeigen: Mehr als ein doppeltes Echo. Mit dieser Ausstellung schließt sich im Werk des Wilhelm Holderied einer von vielen Kreisen, so wie sich die Linien seiner Bilder rhythmisch fügen und schließen – um sich dann wieder öffnen zu können.
Text: Dr. Gerd Holzheimer

Öffnungszeiten

1. April bis 12. November
Dienstag - Freitag von 11.00 - 16.00 Uhr
Samstag & Sonntag von 12.00 - 17.00 Uhr

05. Dezember bis 31. März
Donnerstag & Freitag von 11.00 - 16.00 Uhr
Samstag & Sonntag von 12.00 - 17.00 Uhr
Montag, Dienstag & Mittwoch geschlossen

 
 

 
 

Anfragen

Museum für zeitgenössische Kunst
Diether Kunerth

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87724 Ottobeuren
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Geöffnete Feiertage:

Karfreitag:                      14. April 2017
Ostermontag:                17. April 2017
Tag der Arbeit:                01. Mai 2017
Himmelfahrt:                  25. Mai 2017    
Pfingstmontag:              05. Juni 2017
Maria Himmelfahrt:       15. August 2017
Tag d. dt. Einheit:           03. Oktober 2017
Reformationstag:          31. Oktober 2017
Allerheiligen:                  01. November 2017
Das Museum ist jeweils von 12:00 - 17:00 Uhr geöffnet!

Schließzeiten

13. November 2017 - 01. Dezember 2017
wegen Ausstellungsvorbereitung geschlossen

09. April 2018 – 11. Mai 2018
wegen Ausstellungsvorbereitung geschlossen

12. November – 30. November 2018
wegen Ausstellungsvorbereitung geschlossen

 

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